Grundsatzprogramm Liberaler Campus München
Beschlossen auf der Mitgliederversammlung am 2. April 2008
1. Mehr Freiheit für Studenten und Universitäten
Hochschulen müssen in die finanzielle, inhaltliche, organisatorische und personelle Eigenständigkeit entlassen werden. Hierzu ist das Hochschulrahmengesetz zu liberalisieren. Die Hochschulen benötigen ein Budget, über das sie selbst verfügen können. Die Studenten sollen das Recht erhalten, sich frei für ihre Universität entscheiden zu können und ebenso soll die Aufnahme der Studenten ausschließlich in der Verantwortung der Universitäten liegen. Durch die Abschaffung der ZVS haben die Universitäten nur schwer Möglichkeiten, Kapazitäten zu planen. Hierzu müssen zukunftsweisende Konzepte erstellt werden, um den Universitäten die Planung der Kapazitäten zu ermöglichen.
2. Mitbestimmung stärken
Den Studenten müssen echte Mitbestimmungsrechte eingeräumt werden. Der demokratisch gewählte Senat muss auch in Zukunft das Hauptentscheidungsgremium der Universität bleiben. Wir lehnen den im neuen bayerischen Hochschulgesetz vorgesehenen Hochschulrat in dieser Form ab. Hochschulexterne Experten dürfen grundsätzlich nur beratende Funktion in Räten und Ausschüssen einnehmen.
Hochschulgruppen dienen unter anderem zur Bildung von staatsbürgerlichen Verständnis. Sie vermitteln die Grundsätze der Demokratie und fördern den dialogischen Austausch. Die Hochschulen müssen weiter daran festhalten Bewerber nur über Hochschulgruppen an Hochschulwahlen teilnehmen zu lassen, um zu zeigen, dass diese Werte in den Münchener Hochschulen von großer Bedeutung sind.
3. Studiengebühren sozialverträglich gestalten
Studiengebühren müssen durch ein breit angelegtes Stipendiensystem flankiert werden. Die Zahlung der Studienbeiträge muss optional nachgelagert und sozialverträglich geregelt sein. Eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist anzustreben, die durch gezielte Stipendien Hochbegabte fördert. Es ist sicherzustellen, dass die Gebühren an der Universität verbleiben und zweckgebunden für die Verbesserung der Lehre verwendet werden. Zudem muss den Studenten das Recht eingeräumt werden, über den Einsatz ihrer Gebühren mit zu entscheiden. Der Staat gibt den Universitäten eine Gebührenobergrenze vor. Es bleibt auch in Zukunft hauptsächlich seine Aufgabe, die Finanzierung der Hochschulen zu gewährleisten. Die Mittelzuweisungen des Staates dürfen im Zuge der Einführung von Studiengebühren nicht gekürzt, sondern müssen aufgrund der steigenden Studentenzahlen erhöht werden.
Für Studenten muss eine unabhängige Finanzberatung eingerichtet werden. Der Student muss zu Beginn seines Studiums erfahren, wie er persönlich sein Studium finanzieren kann und welche Unterstützungsmöglichkeiten ihm zur Verfügung stehen.
Zum Bafög ist ein separater Schlüssel hinzuzufügen. Dieser muss örtliche Vergleichsmieten mit einbeziehen und in Städten mit hohen Mietpreisen, wie zum Beispiel München, Studenten stärker unterstützen.
4. Mehr Lehrveranstaltungen
Der Liberale Campus München (LCM) hält die Sparmaßnahmen der bayerischen Staatsregierung an den Universitäten für falsch. Wir setzen uns daher für eine deutliche Ausweitung der Dozentenstellen ein, damit wieder bedarfsgerecht Seminare und Übungen angeboten werden können. Es darf nicht dabei bleiben, dass Studenten bei vielen Lehrveranstaltungen wegen Überfüllung abgewiesen werden und damit am Erwerb prüfungsrelevanter Scheine bzw. ECTS gehindert werden. So wird das Studium unnötig verlängert statt verkürzt. Zudem muss durch ein entsprechend breites Angebot eine Obergrenze an Teilnehmern pro Seminar eingehalten werden, die von den Fachschaften in Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen festzulegen ist, da sonst die notwendige Lernqualität nicht vorhanden ist, die insbesondere für die BA/ MA – Umstellung dringend erforderlich ist.
5. Abhilfe für überfüllte Seminarräume und Hörsäle schaffen
Die Universitäten in Bayern brauchen angesichts ständig steigender Studentenzahlen dringend weitere räumliche Kapazitäten. Wir setzen uns deshalb dafür ein, alle Universitäten in München innerhalb der nächsten fünf Jahre bedarfsorientiert um die benötigten Seminarräume und Hörsäle zu erweitern und dafür ein gezieltes Hochschulerweiterungsprogramm des Freistaates Bayern zu unterstützen. Dieses ist auch angesichts der geplanten Übertragung des Hochschulbaus auf die Länder dringend erforderlich.
6. Kooperation ausbauen und Universitäten öffnen
Es soll die Kooperation zwischen den Münchner Universitäten und der Wirtschaft ausgebaut werden, gerade auch im Hinblick auf die Drittmittelförderung. Es muss das Ziel sein mehr externe Experten an die Universitäten zu binden, was auch bedeutet sich um mehr (internationale) Gastprofessuren zu bemühen. Studenten sind Intensiver in Forschungsprojekte einzubinden, um den Übergang in die Wirtschaft nach dem Abschluss zu erleichtern. Alle diese Maßnahmen sollen zu einer Öffnung der Universitäten beitragen.
7. Internationalisierung forcieren
Die Münchener Hochschulen orientieren sich bereits international, was jedoch noch erweitert werden muss. So müssen ERASMUS und andere Austauschprogramme ausgebaut werden und mehr Vorlesungen in Fremdsprachen angeboten werden. Zudem ist das Angebot an Sprachkursen auszuweiten. Die Partnerschaft mit Universitäten in aller Welt ist zu intensivieren, wie auch internationale Forschungsprojekte angestrebt werden sollen. Leistungsnachweise, die im Rahmen von Austauschprogrammen erworben werden, müssen auch an der Heimathochschule anerkannt werden.
8. Die Lehre verbessern
Zur Steigerung der Qualität der Lehre müssen Professoren und Dozenten regelmäßig an didaktischen Seminaren teilnehmen. Bei der Berufung ist neben der Forschungsaktivität zusätzlich zu überprüfen, ob entsprechende didaktische Voraussetzungen vorhanden sind. Zum Ende des Semesters sind transparente Evaluationen durch die Studenten zu erstellen. Die Ergebnisse müssen für die Beurteilten erkennbare Konsequenzen haben, positiv wie negativ.
9. Mehr Identität schaffen
Die Universitäten müssen sich verstärkt um ein Profil bemühen, das über den Fächerkanon hinausgeht. Hierzu müssen Ehemaligen-Netzwerke auf- bzw. ausgebaut werden und fakultätsübergreifende Veranstaltungen organisiert werden. Die Förderung von universitären Sportteams wird über das jetzige Maß hinaus angestrebt und soll helfen den Zusammenhalt innerhalb einer Hochschule zu vergrößern. Außerdem sind Studenten verstärkt an identitätsstiftenden Forschungsprojekten zu beteiligen.
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